Brit S., Köchin

Brit S., 46 Jahre, seit 2002 auf St.Pauli, Köchin in der Mitarbeiter/innen Kantine des Theaters Neue Flora

Ich bin auf der AlarmstufeRot Demo Ende Oktober auf die Mahnwache aufmerksam geworden. Gleich bin ich Mitglied der Facebook Gruppe geworden und habe die Einträge beobachtet, um ausschließen zu können, dass es sich um eine Querdenker-Aktion handelt. Mit denen möchte ich nämlich nichts zu tun haben.

Seitdem bin ich fast täglich dabei und es tut einfach gut, etwas zu tun und in der Gemeinschaft zu sein. Ich bin dankbar, mit viel sparen, soweit gut mit meinem Kurzarbeitergeld über die Runden zu kommen. Zudem habe ich meine materiellen Verantwortlichkeiten klein gehalten, keine Kinder und einen alten Mietvertrag. Sonst sähe es schlecht aus und ich weiß, dass viele meine/r Kolleginnen/en in großen Schwierigkeiten sind.

Mittlerweile bin ich seit dem 13. März 20 durchgängig auf Kurzarbeit Null und das mindestens noch bis Ende März 21. Anfangs war es, ehrlich gesagt, auch mal schön, sich von dem ganzen Schichtdienst etc. auszuruhen. Aber ich gehe sehr gerne zur Arbeit und habe Freude daran. Ich empfinde viele Kolleginnen/en nach 19 jähriger Firmenzugehörigkeit als Familie. Diese soziale Komponente fehlt mir sehr und Aufgabe, Herausforderung und Bestätigung zu haben, sind absolut nicht zu unterschätzende Faktoren im Leben. Ich bin ein selbständiger Mensch und habe mir von Anfang an selber Projekte geschaffen, aber herausgerissen zu sein, aus dem bekannten Leben und Umfeld müssen erst mal gewuppt werden.

Die Mahnwache einzusetzen kam zur richtigen Zeit. Der Winter ist lang und als St. Paulianerin kann ich die aktuelle Situation auch nicht weg träumen. Manchmal mache ich das zu Hause und diese Nischen brauche ich auch.

Ich mache mir große Sorgen um die ganzen kleinen Underground-Läden und kleinen Restaurants. Um die Menschen, die dahinter stehen und die vielen Menschen, die jetzt einsam zu Hause sitzen.

Mit dem Lockdown sollen ja die Menschen von den Straße geholt werden, aber so werden auf diesem Wege private unkontrollierte Treffen gefördert, denn gerade den ganzen Winter durch, kann der Mensch doch nicht immer alleine in der Bude sein. Und das obwohl so viele hervorragende Hygienekonzepte erarbeitet wurden. Meiner Meinung nach ist die Brechstangenmethode nicht durchdacht und einseitig!

In meiner Firma werden nun 100 Stellen abgebaut. Auch in meinem Bereich. Dann bin ich vielleicht bald arbeitslos!

Ich kann nur jede/ ermuntern bei uns mitzumachen!

Wir stehen hier für unseren Kiez und seine Menschen und die Gemeinschaft macht uns stark!